Dezember 2022 – Was das Herz möchte

Dieser sehr persönliche Text kann dir vielleicht dazu dienen, zu erkennen dass du nicht allein bist. In Phasen unseres Lebens, wenn wichtige Richtungswechsel oder Veränderungen anstehen, fühlen wir uns oft innerlich zerrissen und verunsichert. Auch ich schwanke ständig hin und her oder frage mich tausendundeins Dinge. Ich möchte dir (und mir) Mut machen, deinem Herzen und dem Licht in dir zu folgen. 

Seit Wochen, Monaten fühle ich eine Ambivalenz in mir zwischen Mutlosigkeit einerseits, und dem festen Willen zu mir selbst – für mich selbst einzustehen andererseits. Gleichzeitig will und muss ich im Alltag lichtvoll, offen auf andere zu gehen. Obwohl ich mich eigentlich ganz zurückziehen möchte, um bewusst mit mir zu ergründen, wo und wie es für mich weitergeht. Ich möchte meine wahrhafte Erfüllung finden und leben und fühl mich seit langem schon irgendwie verfangen in Terminen und den Ansprüchen, Erwartungen anderer.

Ich bin dabei – genau jetzt – eine Grenze, eine Begrenzung in mir zu überschreiten. Heraus aus einem Raum, der sich zwischen einem alten und einem neuen Selbst -verständnis befindet. Es ist dieser Raum, in dem ich dazwischen bin – mit einem Bein noch in vielem Vertrautem, dem Gewohnten, „Sicheren“ und gleichzeitig mit dem anderen Bein im Neuen, Freien, Ungewohnten. In diesem Raum konnte ich lernen, wahrhaft in mir anzukommen. Aber die Zeit ist reif, weiter zu gehen.

Ich muss vieles loslassen, was nicht mehr für mich stimmt. Das neue, freiere und gewachsene Ich möchte in das Leben integriert und zum Ausdruck gebracht werden. Dazu braucht es eine klare Herzens- Entscheidung und den Mut los zu gehen. So weit so gut. Das hört sich richtig, einfach und logisch an…

Leben besteht aus Grenzen, die immer wieder überschritten werden müssen. Nur so kann Leben gelebt, er- lebt werden. Ohne Veränderungen und wiederkehrende Grenzüberschreitungen ist Leben nicht möglich. Denn die einzige Konstante im Leben ist eben Veränderung. Stillstehen, Festhalten und sich dagegen sperren wird unweigerlich Schmerzen, Verkümmerung, das Ende, Absterben zur Folge haben.

Grenzen gibt es viele- Kleine, Größere (hierzu zähle ich auch die Geburt und den Tod), selbstverständliche, in das Leben integrierte oder angstmachende…

Die empfundene Größe der Grenze und die entsprechende Herausforderung, daran zu wachsen oder wie du sie überschreitest, ist sehr individuell. Wie mutig bist du? Wie gelingt es dir, alte Gewohnheiten zu durchbrechen? Wie lieb und teuer ist dir das, was du gerade in deinem Leben hast und zurücklassen musst? Wie frei bist du in dir? Welche Ängste hast du? …

Vielleicht kennst du das Gedicht von Hermann Hesse: 

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Ich bin an einer großen Grenze angekommen. Ein Raum ist erfahren, ich habe mich eingerichtet, viel gelernt – und nun ist er zu eng geworden für das, was mich beseelt. Diese Enge und die Grenze, an der ich stehe, hat mich seit Jahren herausfordert. Ich habe sie immer irgendwie umgangen, habe mich immer wieder neu ausgerichtet und etwas neues getan, um mich doch wieder wohl zu fühlen. Ich hab mir immer wieder gesagt: ist doch gut so wie es ist, es läuft, ich lebe sinnvoll, ich helfe und bin im Dienste des Guten…Und doch war da immer das Gefühl der Anstrengung und Frustration in mir. Ich war immer öfter erschöpft, traurig und unzufrieden. Ich habe viel über mich gelernt, denn es gab ausreichend Grund, zu hinterfragen warum ich das so empfinde. Dieses Gefühl, dass da was nicht mehr richtig ist für mich, hat dazu beigetragen, immer weiter zu gehen, mich neu zu erfinden und mich auszuprobieren. Ich habe meine Spiritualität so weit und so gut es geht in meine Arbeit integriert, Kurse angeboten – also ja – es war auch ein Ansporn. Doch vielleicht war es auch schon immer der leise Ruf meiner Seele, meiner inneren Führung, die mich zum Aufbruch mahnte. Oder spüren ließ, dass ich nicht mehr ganz im Einklang mit mir selbst bin.

Es ist völlig neu – nur auf die innere Stimme zu setzen und ihr völlig zu vertrauen. Einem Gefühl zu folgen und nicht zu wissen, was dann wird. Ich bin auch immer noch unsicher. Und doch weiß ich – es geht nicht mehr so, wie es jetzt ist. 

Aber genau darum geht es jetzt. Eine Entscheidung. Wem oder Was folgst du? Vertraust du weiterhin auf das Gewohnte und lebst einfach weiter – mit diesem Gefühl in dir, dass da etwas fehlt und du nur einen Abklatsch von dem leben und tun kannst, was du eigentlich leben könntest?

Eine wahrhafte Herzensentscheidung zu treffen, ist nicht immer einfach. Du gehst durch Höhen und Tiefen. Ein eindeutiges Gefühl und Ja sagen ist leicht, wenn du mit dir im Frieden bist und gut verbunden mit deiner inneren Führung. Wenn du gerade in einem Ego- Raum steckst, schaut die Sache ganz anders aus. Du windest dich und traust dich nicht, hast Bedenken – Sorgen und Ängste vernebeln dir die vorher sonnenklare Absicht. 

Aber es ist gut. Und wichtig. 

Ängste und Sorgen lassen mich ergründen, woher sie kommen und was mich letztendlich davon abhält meine Entscheidung zu treffen und weiter zu gehen – meine Begrenzungen aufzugeben. Grenzen sind nur deine Grenzen in dir. Diese gilt es bewusst zu erkennen und zu integrieren oder aufzulösen. 

Ängste können auch schützen – vor voreiligen Entschlüssen, vor zu schnellem Vorpreschen, wenn es nicht angebracht ist. 

Ängste und Zweifel fordern ein genaues Hinsehen und notwendiges Hinterfragen der wahren Gründe für Veränderung ein.

Je sicherer du mit deiner Entscheidung bist, je mehr du im Frieden in dir bist und alle deine Themen bereinigt hast, desto kraftvoller und authentischer kannst du den Weg gehen, den du dann gewählt hast. Vielleicht ist es auch förderlich, alles anzuschauen und sich bewusst zu sein, welche Schwierigkeiten es zu meistern gilt und welche Herausforderungen auftauchen können? Dann bist du vorbereitet.

Es ist aus meiner Erfahrung auch eine Tatsache, dass es bei einer größeren Entscheidung schwerer fällt, wenn ich sie aus mir heraus treffen soll. 

Dann bin ich ganz auf mich gestellt. Ich muss mich voll und ganz auf mein Gefühl, auf meine eigene Wahrnehmung verlassen. 

Bei Veränderungen meines Lebens, die auf mich zu kamen hingegen war es anders. Da wo ich „nur noch“ ja oder nein dazu sagen musste – den Weg wählen musste war es auch schwer, aber doch irgendwie leichter, weil ich plötzlich mittendrin war in der Veränderung mit all ihren Prozessen. Da war klar – es gibt jetzt eine Veränderung und ich muss irgendwie irgendwohin gehen. Jetzt.

Die Entscheidung für Loslassen und Veränderung war mir abgenommen worden von meinem Leben. 

Jetzt steh ich vor der Überprüfung des Vertrauens zu mir selbst – zu meinem Selbst. Es geht um die Entscheidung: Herz oder Egoverstand – mit all den Kompromissen meiner Wahrhaftigkeit gegenüber. 

Es geht darum, in diesem einen Schritt zu mir zu stehen. Ohne innere Grenzen und  Begrenzungen, die mich kleiner halten als ich sein kann. Es geht darum, mein neues Sein, meine Wahrhaftigkeit in die Realität, in dieses Leben zu bringen. Es ist DIE Prüfung, wie frei ich tatsächlich bin und ob ich mutig und willens genug bin, über meine Ängste und Begrenzungen hinweg eine Entscheidung zu  treffen. Ganz egal, was dann daraus wird. 

Vielleicht kommt es auch auf das Ziel gar nicht so sehr an, sondern zunächst auf die Entscheidung an sich? Eine Wahl treffen und es wirklich tun kann nur ich allein. Kein anderer kann mich verstehen oder mir etwas abnehmen. 

Es kann Gegenwind kommen – das muss ich aushalten.

Ich werde zwischendurch entmutigt sein – weil ich kein Ende sehe und auch nicht weiß, was dann kommt – da muss ich durch.

Ich werde allein sein mit meiner Entscheidung – auch das muss ich aushalten.

Einige Menschen werden mich nicht verstehen – das muss mir egal werden.

Ich lasse vieles zurück, was mir wichtig war oder ist – auch den Schmerz des Abschiedes muss ich als Erfahrung auf dem Weg in meine Authentizität akzeptieren lernen.

Ich weiß nicht, was dann ist und habe keine Kontrolle -ich werde mutig sein und Vertrauen in mich selbst und mein Leben investieren. Ich weiß dass viel Kraft, Kreativität, Leidenschaft und Potential  in mir stecken.

Ja, es ist ein Risiko – so wie unser ganzes Leben eines ist. Aber es fühlt sich voller Leben, Lebendigkeit und Freiheit für mich an, wenn ich es schaffe, meinem Gespür zu folgen. Eine neuer Raum wird sich öffnen mit vielen neuen Möglichkeiten. Und ich nehm in mir alles mit, was ich bis dato gelernt, erfahren und geübt habe. Auch Verbindungen zu wichtigen Menschen und Freundschaften nehm ich mit. Ich bin also nicht wirklich allein. Ganz abgesehen von meinem geistigen Team und meiner Seele und vielen anderen Wesen, die da sind… Es ist wohl das Wesen dieser Veränderung zu mir selbst hin, dass es nur durch mich und von mir, aus mir heraus geschehen muss. Sonst hat sie nicht die Bedeutung und Gültigkeit, die ihr zukommen muss.

Setze ich also weiter auf Sicherheit oder auf das Vertrauen in das Unbekannte? 

Bin ich ein Angsthase? Ich habe immer andere bewundert, die alles aufgeben, ganz neu anfangen. Einfach springen und fliegen wäre ein gutes Motto – aber vielleicht nimmt man hier auch alle Problemchen und Ängste mit in das Neue? Und lässt die Angst und alte Themen auch hier unter einem Deckel des Tun und einer äußeren Veränderung auf wundersame Weise für gewisse Zeit „verschwinden“? Je mehr ich mich in Überlegungen verliere, desto verwirrter bin ich. Wahrscheinlich muß ich jedoch auch letztendlich einfach springen – irgendwann muss es ja sein.

Heute habe ich ein Gefühl in mir gespürt, dass ich bisher nicht zugelassen habe: Existenzangst. Nichts zu haben, allein zu sein…Und die Angst, nicht gesehen zu werden – in einem Meer der Bedeutungslosigkeit und des „Niemand sein“ zu versinken, wenn ich dann mit meiner Entscheidung so viel aufgebe: was ich habe, wer ich bin, meine Rolle…Ich habe sogar Angst, einfach gar nichts mehr zu tun…faul zu Hause rumzuhängen und nichts zu tun. STOPP – Dieses Gedankenchaos sind deutliche Zeichen von zwanghaftem Tun Wollen, um sich zu identifizieren und besser und wichtig zu fühlen… nur das Ego möchte nämlich immer machen und tun…

Soll ich, muss ich also wirklich all das loslassen? Ja- es geht wohl nicht anders, wenn etwas ganz neues kommen möchte. 

Diese tiefsitzende Angst und der Kummer darüber, freiwillig dieses Risiko einzugehen, fühlen sich ziemlich mies an. Aber wenn ich diese Angst nicht kenne und nicht weiß, dass sie da ist und woher sie kommt – dann wird sie mir in einem entscheidenden Moment womöglich im Weg stehen und mich hindern, kraftvoll auszuschreiten. Also bin ich dankbar, dass sie jetzt da sein möchte. Ich hatte mich schon lange gefragt, wovor ich eigentlich am Meisten Angst habe. Vielleicht ist das die Antwort. Ja, es macht mir Angst. Und es macht mir auch Angst, nicht sicher zu sein und absolut nichts zu wissen. Nicht zu wissen, was richtig ist. Aber richtig wofür? Wenn Leben sich doch entfalten möchte und Lebendigkeit gelebt werden will. Das bedeutet eben auch Unsicherheit. Vielleicht schaffe ich es ja irgendwann einmal, mich sicher in der Unsicherheit zu fühlen- Mein Verstand fragt: geht das überhaupt?

Wohlan denn, Herz, entscheide und gesunde…

Und irgendwann muss Schluss sein mit Selbstzerfleischung und abwarten und noch mehr lernen und verstehen wollen. Meine innere Ausrichtung und der offene Fokus für meine Herzenswünsche sind meine Basis und der Beginn meines Weges. Aber dann kommt die Zeit, da man einfach gehen muss. Alle Zeichen auf LOS.

Die ersten Schritte gehen – Wie die aussehen, ahne ich bisher nur. Aber das ist ja schon mal was. Ich habe eine Richtung und eine Vision. Die erinnert mich daran, warum und in etwa in welche Richtung ich gehe. Mein Herz ist mein Kompass, meine Vision die Kompassnadel. Mein Verstand ist für die Organisation zuständig.

…Wie lässt man überhaupt all das los (auch im außen), was nicht mehr mitkann? Alles mitschleppen geht ja wohl schlecht… Dieses Loslassen weckt gleich nächste Bedenken meines kleinen Ego- Ichs. Ich werde mich erst einmal auf das Jetzt konzentrieren und all das, was jetzt hochschwemmt in mein Bewusstsein, wahrnehmen. Ich werde mir die Zeit nehmen für meine Herzensentscheidung, die es braucht, um letzte Einwände meines Verstandes zu ergründen. Und setzte mir einen Zeitrahmen, damit ich nicht wieder im Abwarten steckenbleibe. Dazu eignen sich die Rauhnächte ja wunderbar – was für ein „Zufall“ dass jetzt die passende Zeit ist. Ich werde das Alte abschließen und mich für das Neue vollständig öffnen – und dann … dann werde ich Schritt für Schritt im Jetzt entscheiden, was dran ist. Und immer weiter vorwärts gehen.

Ich wünsch mir und uns allen Vertrauen in uns selbst und ein hell leuchtendes inneres Licht, das immer den Weg unserer Reise erhellt. Die nötige Klarheit, eine Portion Mut, Ausdauer und Weisheit bitte auch. 

 

Jeanett Amberger

2 Kommentare zu „Dezember 2022 – Was das Herz möchte“

  1. Liebe Jeanett
    Warum denkst du dass die Entscheidung für Loslassen und Veränderung eine Entscheidung; Herz oder Ego/Verstand sei?
    Ich denke dein Vertrauen zu Dir/deinem Selbst, braucht im Gegenteil eine Versöhnung und ein liebevolles Miteinander von beiden; Herz und Ego/Verstand! Dann wird es dir leicht fallen zu diesem Schritt zu stehen.
    Die inneren Grenzen und Begrenzungen werden dir dann zu hoher Selbstachtung gereichen je mächtiger sie sind. Ihr überschreiten wird dir Freude bereiten. Gerade weil es um ein neues Sein geht und darum eine neue Wahrhaftigkeit in deine Realität in diesem Leben zu bringen.
    Herz Licht von Rolf

    1. Hallo Rolf – Danke für deinen Kommentar. Inzwischen – nach intensiven Rauhnachtstagen- bin ich etwas befriedet mit diesem „Zustand“ und habe meinen Unfrieden in mir und mein Nicht-einverstanden sein mit dem, was ist, erkannt. Alles darf sein – auch Zweifel und das Hin- und Her in mir.Das IST der Weg, das IST mein Wachsen.Da war noch einiges loszulassen/ anzunehmen. Ich glaube es geht hier vor allem um die Entscheidung wirklich zu mir zu stehen, ganz bei mir und mit mir zu sein. Meiner Wahrheit zu folgen, meiner inneren Führung zu vertrauen. Ich habe den Stress etwas rausgenommen, weil ich verstanden habe, dass ich mit dem Verstand und darüber nachdenken und Wille nicht weiterkommen kann (ich kreise nur um mich selbst), weil die Sichtweise zu eingeschränkt ist. Ich hatte Angst vor diesem NICHT WISSEN und vor einer falschen Entscheidung und gleichzeitig das Gefühl dass ich das MÜSSTE. Jetzt weiß ich (momentan zumindest 🙂 ), dass es um Hingabe geht.Hingabe an mein göttliches ICH BIN und Vertrauen.Da mein kleines Ich ganz offensichtlich nicht weiß, gebe ich diese Hoffnung auf und das Thema stattdessen an die höhere Instanz in mir ab.Ich werde offen sein für die Schritte, die sich mir zeigen und dann (hoffentlich) voller Mut auch tun, was zu tun ist. Momentan habe ich die Aufgabe, empfangsbereit zu werden/sein eben dafür. Dazu war noch einiges zu bereinigen…

      herzliche Grüße, Jeanett

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