Wie fühlst du dich, wie geht es dir, was machst du, was willst du, was musst du noch?
Bemerkst du auch diesen erneuten Stillstand? Beim Training nennt man das Plateauphase. Da geht ersteinmal nichts weiter.
Für dein Leben heißt das:
Gewohnte Strategien funktionieren nicht mehr, deine Interessen haben sich verlagert. So vieles, was einst wichtig war, rückt noch weiter weg von dir. Große und kleine Vorstellungen, Prägungen, Überzeugungen, Ängste, Beziehungen und anderes was jetzt nicht mehr passt in deine neue Version, verabschiedet sich subtil oder mit viel Trara, damit du auch wirklich hinschaust
Und dann ist Stillstand.
„Stille“
In Stille und sanft im Wasser gleiten 2 Wesen durchs Bild.
Acryl auf Leinwand, 50×70 cm
Suchend blickst du dich um, fragst, was es nun zu tun gibt, was du willst, warum dich eigentlich nichts mehr wirklich interessiert.
Du willst anknüpfen an deine Fähigkeiten. An das, was du immer gut konntest, mit dem du Erfolg hattest. Denn hier kannst du irgendwas tun, fühlst dich sicher… Wenn du es versuchst, ist es aber nicht mehr das gleiche. Nachhaltiger Erfolg und das erinnerte Gefühl von „richtig“, von „ja das will ich“ stellt sich nicht ein oder nur vorübergehend.
Wie geht es mir damit?
Ich weiß momentan wieder einmal nicht mehr, was ich überhaupt will. Ich durchschaue meine dauernde Suche nach der Art von Sinn, die ich kenne, der mir irgendwie abhanden kommt. Ich schau mich immer wieder um nach etwas und weiß nicht, was es sein könnte. Ich sehe meine Anspannung mit meinem Wollen und meinem Zweifel. Nur weil ich immer noch meine, weil ich möchte, dass dieses Neue meinen Wünschen entspricht, meinen Vorstellungen davon, wie es sein soll und darf. Weil ich mich noch nicht überraschen lassen kann, ich mich selbst einenge mit meiner Suche und meinem Verstand – damit mir irgendwie bekannt ist, was da kommt. Kontrolle nenn man das.
Ein total widersinniges und aussichtsloses Unterfangen. Denn Neu ist nur Neu, weil es nicht bekannt ist. Neu kommt meist überraschend und wenn es gelingt, für ALLES offen zu bleiben, zu empfangen, zu vertrauen, sich fallen zu lassen.
Was passiert denn, wenn alle Strategien versagen, wenn ich nicht mehr Aufpasse, mich nicht mehr selbst erwecken will, mit dem Suchen aufhöre? Was würde geschehen, wenn ich nichts mehr will und mich diesem Nichts mehr wollen, nichts mehr wissen müssen überlasse? Wenn ich nur bewusst lebe, mich zurücklehne, genieße und in mir auch nichts mehr muss, um zu?
Denn ich habe gar keine Lust mehr auf all das Tun, das Beweisen müssen, das Suchen, die ganzen Geschichten und Spielchen. Ich habe so lange schon bei all dem mitgemacht. Mich bemüht, mich angetrieben, aufgewertet, klein gemacht, angestrengt, geleistet, gekämpft, geholfen, mich passender gemacht… Ich bin erschöpft und lasse los. Mehr und mehr. Es wird so egal und gleich- gültig. So kann ich mich immer mehr entspannen. So finde ich mich immer mehr in mir selbst und schaffe es tatsächlich besser, diesen Zustand von innerer Ruhe und Zufriedenheit, das bei mir SEIN wirklich zu zuzulassen. Ohne weiter zu müssen, weg zu wollen…
Es fühlt sich jetzt an, wie an einem Lebensende zu stehen. So stell ich mir eine alte Weise vor, eine 90 Jährige, die nichts mehr will und muss, nur noch schaut und beobachtet. Unbeteiligt und doch auch nicht. Denn sie sieht, sie weiß, sie kennt es, sie erinnert, hält ihren Raum.
Stillstand.
Beobachten.
Sein.
Dieser Zustand dehnt sich aus.
Immer mehr erkenne ich und durchschaue also all die Kämpfe, Spiele und Geschichten. Wenn „Resignation“, Erschöpfung, nicht mehr anderes wollen und können, sich Ergeben, Hingeben und Erschöpfung wie eine Landebahn das „ganz neu und anders“ unterstützt, dann bin ich im Landeanflug. Immer mehr zu mir, bei mir, für mich – authentisch, echt. Es rüttelt, es quietscht, es hakt hin und wieder. Aber ich habe zur Landung angesetzt.
Die letzte Bastion
All das Suchen, mit dem Verstand be-greifen, neu erfinden wollen, verstehen müssen, heilen müssen, passende Konzepte und neue Strategien entwickeln… geht nicht mehr, will ich nicht mehr. Diese Kopfarbeit ist die letzte Bastion, die dabei ist zu fallen. Meine „Denkmauer“. Womöglich kann ich sie sanft durchströmen? Einfach so hinter mir lassen, um dann ganz in mich hinein zufallen, in den Ozean meines WahrhaftIch zurückkehren? Wohl eher nicht. Zu festgefahren, zu gewohnt, zu kontrollsüchtig ist diese Institution in mir. Genau dafür dient mir wohl nun der Widerstand im Außen, das Nichtmehrfunktionieren und mein permanentes Gefühl von Überforderung und Erschöpfung. Es sind die Folgen einer inneren Grätsche: Die Prägung, in meiner gewohnten „Kopflastigkeit“ zu agieren im beginnenden Anders und Neu, das längst schon in vollem Gange ist. Das ist so an streng end. Doch nur so gebe ich nach, ergebe ich mich, lasse los, gebe mich hin, lass mich dann führen vom großen Selbst, meiner Seele.
So anstrengend es auch noch ist – ich habe meine Wahl getroffen. Ich wähle neu und weiß, dass ich es kann und werde.
Jeanett Amberger
